Anlass

Das Jahr 2017 steht im Zeichen der Reformation, denn am 31. Oktober jährt sich der Thesenanschlag Martin Luthers zum 500. Mal. Sein Anstoß entfesselte eine Bewegung des Widerstands gegen die Unterdrückung im europäischen Mittelalter. Was darauf folgte, war eine Welle bedeutender, geschichtlicher Ereignisse, die in ganz Europa zu gesellschaftlichen und politischen Umwälzungen führte.

Etwa 125 Jahre lang währten die Konfessionskriege, in denen Christen sich wegen ihres Glaubens bekämpften. Die Autorität und weltliche Macht der Kirche schwand, die Bischöfe wurden auf ihre religiöse Rolle beschränkt und die Güter unter den Landesherren aufgeteilt. Nach dieser Zeit entwickelte sich die Aufklärung, die die humanistischen Vorstellungen der Reformation wieder aufnahm und eine durch Vernunft und Gemeinwohl geleitete Gesellschaft anstrebte. Impulse dieser Epoche beeinflussten wiederum die Revolutionen in Frankreich und Amerika und sind auch in der heutigen Zeit deutlich zu erkennen.

Die Auswirkungen dieser Ereignisse bilden das Fundament unseres modernen Weltbildes von Staat und Gesellschaft. Ihnen verdanken wir die Säkularisierung (Trennung von Staat und Kirche), die individuellen Menschenrechte, eine vernunftbasierte Gesellschaftsordnung und das Bestreben nach einer kritischen Auseinandersetzung.

Wie würde unsere Welt heute aussehen, wäre Martin Luther nicht gewesen? Vom Papst wurde er als Ketzer bezeichnet und von der Kirche verbannt. Vom Kaiser wurde er geächtet und als „Vogelfreier“ entkam er nur knapp einem Mordanschlag – all diesen Widrigkeiten zum Trotz, hielt Luther standhaft an seinen Auffassungen fest. Dieser starke Charakter war es, der ihn zu einer Schlüsselfigur der Reformation werden ließ. Heute steht er als Symbol für Freiheit, Toleranz und Fortschritt und darum im Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit – im Reformationsjahr 2017.